Ankerschäden an Korallenriffen

Die Korallenriffe aller Ozeane sind inzwischen weltweit gefährdet, durch viele unterschiedliche Faktoren; Klima Wandel bedingte Korallenbleiche (Hughes et al., 2017, 2018), Nährstoffanreicherungen der Meere (Szmant, 2002) oder Dornenkronen Ausbrüche (De’ath et al., 2012). Zu diesen Großflächigen Bedrohungen gesellen sich weitere Gefahren, die sich auf einen kleineren Raum beziehen- Taucher.

Besonders unerfahrene Taucher mit Tarierungsschwierigkeiten schädigen das Riff mit ihren Flossen oder herabhängendem Equipment. Auch erfahrene Taucher können Schädigungen verursachen, wenn sie nicht aufpassen (Lamb et al., 2014; Tratalos & Austin, 2001).

Hinzu kommen Ankerschäden an Korallen, da viele Tauchplätze, aus unterschiedlichen Gründen, nicht über permanente Bojen oder auch Vorschriften zur Ankernutzung verfügen. Selbst vorsichtig geworfene Anker können zu Riffschäden führen, besonders bei schlechten Sichtverhältnissen oder in größerer Tiefe (<5m). Im Vergleich zu den bereits erwähnten globalen Bedrohungen können Tauchschäden jedoch durch ein verändertes Bewusstsein der Öffentlichkeit, zusätzliche Ausbildung und die generelle Einhaltung umweltfreundlicher Tauchpraktiken (Roche et al., 2016). Gleiches gilt für Ankerschäden. Permanente (umweltfreundliche) Anlegebojen auf häufig genutzten Tauchplätzen oder ein generelles Anker Verbot in bestimmten Gebieten können helfen, Korallenschäden zu mildern.

Angesichts der Tatsache, dass die Ankerschäden am Korallenriff seit Jahrzehnten bekanntsind (z.B. Davis, 1977), ist es überraschend, dass sich noch heute viele Tauchschulen dafür entscheiden, regelmäßig Anker zu werfen. Es gibt viele wissenschaftliche Studien, die über schädliche Auswirkungen von Ankern auf Meereslebensräume berichten (Creed & Amado Filho, 1999; Davis, 1977; Dinsdale & Harriott, 2004; Jameson et al., 2007; Kininmonth et al., 2014; Milazzo et al., 2004; Saphier & Hoffmann, 2005). Auch wenn viele Tauchgebiete noch nicht stark von Ankerschäden betroffen sind, geht man dennoch davon aus, dass besonders in der Nähe großer menschlicher Siedlungen, Korallenriffe anfälliger sind (Kininmonth et al., 2014). In Gebieten rund um das Rote Meer wird die nachhaltige Zukunft des Tauchtourismus in Frage gestellt, ohne dass sich das Management und die Minimierung von kontrollierbaren Stressoren wie Verankerung drastisch ändern (Jameson et al., 2007).

Störungen und Zerstörungen durch Anker können die dreidimensionale Struktur des Riffs negativ beeinflussen, und dieser Verlust an Komplexität wirkt sich wiederum negativ auf den Fischreichtum und die Artenvielfalt aus (Fava et al., 2009; McCormick, 1994). Der Verlust von nur einer Korallenart kann im schlimmsten Fall zum lokalen Niedergang führen, möglicherweise zum lokalen Aussterben bestimmter Fischarten (Pratchett et al., 2011). So wurden Ankerschäden in einen direkten Zusammenhang mit dem Verlust von Pflanzenfressern, wie den Papageienfischen, gebracht (Scaridae), „die indirekten Auswirkungen von Ankern auf die Fischpopulationen sind beträchtlich und könnten zum Verlust der Gesamtfunktion des Ökosystems beitragen“ (Loberg Flynn). Darüber hinaus gehören Papageienfische zu den Hauptakteuren, wenn es darum geht, das Riff gesund zu halten, und der Verlust des Papageienreichtums könnte sich nachteilig auswirken (Moulton et al., 2014).

Trotz der unbestreitbaren Vorteile der Anlegebojen ist dies keine endgültige Lösung. Herkömmliche Bojen, befestigt mit Metallketten, können auch den Meeresboden stark schädigen (Hastings et al., 1995). Umweltfreundliche Alternativen sind jedoch wesentlich Kosten intensiver (z.B. Pioch & Léocadie, 2017) und auch diese umweltfreundlichen Ankersysteme können allgemeinen, kleinen Schäden durch Taucher nicht entgegenwirken. Studien zeigen, dass sich die Auswirkungen auf die Korallendecke rund um die Anlegeboje deutlich erhöhen und mit zunehmender Entfernung zur Boje deutlich abnimmt (Tratalos & Austin, 2001). Um die beste Lösung zu finden, müssen wir uns überlegen, wo wir eigentlich Anlegestellen brauchen und wo wir ohne solche Hilfsmittel auskommen können. In Bezug auf das Tauchen, ist es wichtig zu verstehen, dass damit zu rechnen ist, dass sich immer wieder mehrere Boote zeitgleich an denselben Stellen befinden. Es gibt leider keine ideale Lösung, die überall umsetzbar ist und die Entscheidung hängt stark von den örtlichen Gegebenheiten ab.

Auf Mauritius,

vor allem in Flic en Flac, schränkt die Unterwasser-Topografie aufgrund von hohen Tiefen bereits die Zugänglichkeit des Tauchplatzes ein. Aufgrund dieser Tiefen-Grenzen benötigen die meisten Tauchplätze bereits zusätzliche Ausbildungsnachweise, wie den Advanced Open Water Diver oder Tieftaucher Zertifikat.

Zusammenfassend sollte dies bedeuten, dass nur erfahrene, fortgeschrittene Taucher diese Tauchplätze tauchen werden (oder besser sollten). Generell sollte dies bedeuten, dass Hilfsmittel wie Anlegebojen und Ankerleitungen an diesen Standorten überflüssig sind und daher nicht benötigt werden. Kleine Tauchgruppen, die den Verhältnissen der Tauchplätze entsprechen, sollten den Bedarf an Abstiegshilfen weiter verringern.

Auf Standorten, die meist von neuen und unerfahrenen Tauchern genutzt werden, müssen wir verschiedene Faktoren berücksichtigen. In der Regel werden die meisten Schäden, die durch Taucher verursacht werden, zu Beginn des Tauchgangs protokolliert, wenn eine neutrale Tarierung noch nicht gefunden ist (Roche et al., 2016). Darüber hinaus verursachen unerfahrene Taucher auch erhöhte Schäden durch mangelnde technische Fähigkeiten und Erfahrung (Chung et al., 2013; Thapa et al., 2006). In diesem Fall könnten Anlegebojen tatsächlich die beste Wahl sein, da ein kontrollierter Abstieg mit Hilfe eines Seils einen Teil der Schäden mildern kann. Eine Ankerlinie würde zu einer ähnlichen Abschwächung führen; Die negativen Auswirkungen regelmäßiger geworfener Anker übersteigen jedoch bei weitem die Schäden, die durch Ankerbojen (einschließlich möglicher Bauschäden) entstehen. Langfristige permanente Anlegebojen, vor allem auf Anfängerseiten, würden sich also als vorteilhaft erweisen.

Da die Korallendecke in Flic en Flac aus Umweltgründen bereits recht niedrig ist, wird sich eine permanente Anlegeboje an Standorten wie dem Aquarium als wesentlich vorteilhafter erweisen als der Strom, wiederkehrend geworfener Anker. Ähnliche Überlegungen sollten auch für andere Tauchplätze gemacht werden, die häufig von Anfängern und unerfahrenen Tauchern genutzt werden, um einen langfristigen Schutz der lokalen benthischen Umgebung in der Gegend von Flic en Flac zu erreichen.

 

Quellen:

Chung, S. S., Au, A., & Qiu, J. W. (2013). Understanding the underwater behaviour of scuba divers in Hong Kong. Environ. Manage., 51, 824–837.

Creed, J. C., & Amado Filho, G. M. (1999). Disturbance and recovery of the macroflora of a seagrass (Halodule wrightii Ascherson) meadow in the Abrolhos Marine National Park, Brazil: An experimental evaluation of anchor damage. J. Exp. Mar. Bio. Ecol., 235, 285–306.

Davis, G. E. (1977). Anchor damage to a coral reef on the coast of Florida. Biol. Conserv., 11, 29–34.

De’ath, G., Fabricius, K. E., Sweatman, H., & Puotinen, M. (2012). The 27-year decline of coral cover on the Great Barrier Reef and its causes. Proc. Natl. Acad. Sci., 109(44), 17995–17999. Retrieved from http://www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1208909109

Dinsdale, E. A., & Harriott, V. J. (2004). Assessing Anchor Damage on Coral Reefs: A Case Study in Selection of Environmental Indicators. Environ. Manage., 33, 126–139.

Fava, F., Ponti, M., Scinto, A., Calcinai, B., & Cerrano, C. (2009). Possible effects of human impacts on epibenthic communities and coral rubble features in the marine Park of Bunaken (Indonesia). Estuar. Coast. Shelf Sci., 85, 151–156.

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Hughes, T. P., Kerry, J. T., Baird, A. H., Connolly, S. R., Dietzel, A., Eakin, C. M., … Torda, G. (2018). Global warming transforms coral reef assemblages. Nature, 556(7702), 492–496.

Jameson, S. C., Ammar, M. S. A., Saadalla, E., Mostafa, H. M., & Riegl, B. (2007). A quantitative ecological assessment of diving sites in the Egyptian Red Sea during a period of severe anchor damage: A baseline for restoration and sustainable tourism management. J. Sustain. Tour., 15, 309–323.

Kininmonth, S., Lemm, S., Malone, C., & Hatley, T. (2014). Spatial vulnerability assessment of anchor damage within the Great Barrier Reef World Heritage Area, Australia. Ocean Coast. Manag., 100, 20–31.

Lamb, J. B., True, J. D., Piromvaragorn, S., & Willis, B. L. (2014). Scuba diving damage and intensity of tourist activities increases coral disease prevalence. Biol. Conserv., 178, 88–96.

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McCormick, M. I. (1994). Comparison of field methods for measuring surface tomography and their associations with a tropical reef fish assemblage. Mar. Ecol. Prog. Ser., 112, 87–96.

Milazzo, M., Badalamenti, F., Ceccherelli, G., & Chemello, R. (2004). Boat anchoring on Posidonia oceanica beds in a marine protected area (Italy, western Mediterranean): Effect of anchor types in different anchoring stages. J. Exp. Mar. Bio. Ecol., 299, 51–62.

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Pioch, S., & Léocadie, A. (2017). Overview of Eco-Mooring Facilities: Commented Bibliography. . International Coral Reef Initiative (ICRI), Foundation for the Research on Biodiversity (FRB) report.

Pratchett, M. S., Hoey, A. S., Wilson, S. K., Messmer, V., & Graham, N. A. J. (2011). Changes in biodiversity and functioning of reef fish assemblages following coral bleaching and coral loss. Diversity, 3(3), 424–452.

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Corals in Mauritius

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